Mit Kindern im Kunstmuseum

April 2, 2018
Kinder im Kunstmuseum

Gehst du mit deinen Kids gerne ins Kunstmuseum oder gehörst du eher zu denen, die bei dem blossen Gedanken daran bereits ins Schwitzen kommen? Konzentration und Ausdauer sind gefragt. Und dann noch so viele Verhaltensregeln: “Nicht rennen, nicht schreien, nicht berühren!„ Zugegeben, all diese Aspekte lassen einen Museumsbesuch mit Kindern oft als wenig attraktiv erscheinen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein kleiner Abstecher in die Kunstwelt eine grosse Bereicherung für Kinder sein kann.

Als Kunstpädagogin habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Kinder einen Museumsbesuch trotz aller Regeln geniessen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Offenheit und Neugierde Kinder Kunst betrachten. Wenn der Museumsbesuch nicht stundenlang dauert, kommt auch selten Langeweile auf.

Bevor du aber jetzt Hals über Kopf ins nächste Museum stürmst, möchte ich dir gerne noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben. Mit 5 Ideen, machst du aus einem Museumsbesuch ein spannendes Erlebnis, an dem deine Kinder aktiv teilhaben können.

 

 

5 Tipps für einen spannenden Besuch im Kunstmuseum

1. Bereitet den Besuch vor

Bereite den Besuch zusammen mit deinen Kindern vor. Auf diese Art und Weise beziehst du sie aktiv mit ein und schürst auch ihre Vorfreude.

 

· Was ist ein Museum überhaupt?

Zur Einführung bespreche ich mit meinen kleinen Museumsbesuchern erstmal, was ein Museum überhaupt ist und was es mit Kunst so auf sich hat. Das ist wichtig, damit die Kinder auch eine ungefähre Vorstellung davon haben, wohin sie überhaupt gehen.

Was ist eigentlich ein Museum? Warum und wofür sind sie da? Was kann man in einem Museum sehen? Wem gehört das alles, was da ausgestellt ist? Wer hat es gemacht? Und was ist denn eigentlich Kunst?

Kinderbuch Tipp dazu:  “Ein Museum nur für mich”

Kinder im Kunstmuseum
Foto aus dem Buch: Ein Museum nur für mich.

 

· Besucht die Webpage des Museums

Die meisten Museen haben eine Web, die hilfreiche Information erhalten. Werft einen Blick darauf und trefft eine Vorentscheidung, was ihr sehen möchtet. Viele Museen sind recht gross und umfangreich. Alles zu sehen, wäre viel zu anstrengend. Am besten beschränkt ihr euch auf ein paar ausgesuchte Ausstellungsräume. Das reicht vollkommen!

 

· Bastelt ein Museums Forschungsheft

Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, bin ich absoluter Fan von Forschungsheften;) Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch einen Notizblock für den Museumsbesuch erstellen. Hierfür einfach ein paar Blätter zusammenheften und ein Titelbild erfinden und schon habt ihr ein super Material um die Ausstellung zu erkunden.

 

· Besprecht die Verhaltensregeln

Der Notizblock kann auch dafür genutzt werden, um die Museumsregeln aufzuschreiben. Die Verhaltensregeln, die in den meisten Museen herrschen, solltet ihr auf jeden Fall im Voraus mit den Kindern besprechen, damit der Besuch vor Ort nicht zu einem enttäuschenden Erlebnis wird. Damit diese Regeln auch Sinn ergeben, könnt ihr auch darüber reden, warum diese Regeln überhaupt aufgestellt worden sind und wofür sie wohl gut sind.

 

 

2. Haltet es kurz

Ich weiss, viele Besucher möchten am liebsten immer alles sehen, oder zumindest so viel wie möglich. Ich rate dir davon aber ab. Haltet es kurz. Weniger ist mehr, vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist! All die Eindrücke wollen ja auch verdaut werden.

Mit Kindern schaue ich meistens nur 4-6 Kunstwerke an. Das hört sich ganz schön wenig an. Wenn ihr die einzelnen Kunstwerke aber etwas genauer unter die Lupe nehmen wollt, ist das, meiner Erfahrung nach, schon mehr als genug. Schaut man sich zu viel an, ist die Konzentration irgendwann weg und Langeweile und Unlust stellen sich ein! Wenn du merkst, dass deine Kids zappelig werden, beende am besten den Museumsbesuch.

 

 

 

3. Kunstwerke aktiv betrachten

Aktives Beobachten ist das „A und O“, um eine Begegnung mit Kunst  interessant und attraktiv zu gestalten. Betrachtet die Exponate zusammen und im Dialog.

 

Kinder im Kunstmuseum

Nehmt euch Zeit!

Um ein Kunstwerk aktiv und gründlich zu betrachten, macht es euch erstmal vor dem Bild gemütlich. Am besten setzt ihr euch auf den Boden. Das ist in den meisten Museen erlaubt. Das Hinsetzen ist eine hervorragende Konzentrationshilfe und verhindert, dass die Kleinen und Grossen schon nach wenigen Minuten weiter zum nächsten Exponat eilen.

Schaut euch das Kunstwerk so lange an, bis ihr das Gefühl habt, dass ihr alles gesehen habt. Wenn es sich um eine Skulptur oder eine Rauminstallation handelt, umlauft das Werk, um es von allen Blickwinkeln zu betrachten. Um deine Kinder in ihrer Betrachtung zu begleiten, kannst du ihnen zuerst konkrete Fragen bezüglich der dargestellten Farben, Formen, Figuren und Materialien stellen. Danach könntest du mit einigen offenen Fragen den Dialog vor dem Bild weiterführen.

Beispiel: Was siehst du? Fällt dir etwas besonders auf? Was für Farben/Formen/Materialien hat der Künstler gebraucht? Welche Gefühle ruft es bei dir hervor?  Was gefällt dir besonders am Kunstwerk und was gefällt dir gar nicht? Was vermittelt dir das Kunstwerk? Etc. etc.

 

Erfindet einen Titel

Manchmal kann es richtig schwierig sein, über Kunstwerke zu reden. Besonders wenn es sich um abstrakte Bilder oder Skulpturen handelt, fühlt man sich oft etwas ratlos.

Eine gute Eselsbrücke hierfür ist das Erfinden von einem Titel für das Werk. Lasst eurer Fantasie dabei freien Lauf. Dem Bild einen eigenen Namen geben ist eine tolle Art und Weise sich das Gesehene zu eigen zu machen.

Was für ein Titel würdest du diesem Kunstwerk geben?

Erst danach, schaue ich mit den Kindern den eigentlichen Titel des Kunstwerkes an.

 

4. Sich ein Kunstwerk zu eigen machen

Neben dem aktiven Beobachten gibt es auch noch spielerische Vorgehensweisen, um sich mit dem Kunstwerk auseinander zu setzten. Dafür ist ein Notizheft eine gute Hilfe.

 

Kinder im Kunstmuseum

Suche dir je nach Art des Kunstwerkes, die dazu passende Aktivität aus:

· Zeichnet das Kunstwerk ab.

Dies ist vor allem bei Skulpturen spannend, da die Kinder dann das was sie sehen von der Dritten auf die Zweite Dimension übertragen müssen. Hierbei wird spontan und wie von selbst  die Beobachtungsfähigkeit und das räumliche Sehen trainiert.

 

· Lasst euch von den Kunstwerken inspirieren.

Eine fantasievolle und freie Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk ist sich ein Element herauszusuchen – z.B. eine Figur, eine geometrische Form, etc. Ihr könnt die ins Heft zeichnen und daraus frei ein eigenes Bild gestalten. Abstrakte Kunstwerke eignen sich besonders gut für diese Aktivität.

 

· Geht auf Zeitreise!

Bei historischen, älteren und/oder figurativen Gemälden, könnt ihr euch zusammen vorstellen, wie die dargestellte Szene in der Gegenwart aussehen würde. Dies kann man dann natürlich auch in euren Notizblock zeichnen.

 

· Erweitert die Bilder.

Die Bilder können auch zeichnerisch erweitert werden. Was würde  links/rechts oder oben/unten vom Bild passieren, wenn der Rahmen nicht da wäre, sondern das Bild einfach „weitergehen würde? Nehme das Bild als Ausgangspunkt und zeichne das Bild weiter!

 

· Erfindet Dialoge für die Porträts.

Bei Porträts und Personenbildern könnt ihr euch Monologe und Dialoge zu ihnen ausdenken. Wie fühlt sich diese Figur? Wenn sie sprechen könnte, was würde sie uns erzählen?  Ihr könnt dann die Figuren mit grossen Sprechblasen ausgestattet auch in euren Block zeichnen.

 

· Entwerft Kleider.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, neue Kleidung für die dargestellten Figuren zu entwerfen.

 

5. Spielerische Entdeckungstour

Um in die Kunstwelt einzutauchen, könntet ihr auch eine Entdeckungsreise durchs Museum starten. Die Kids bekommen bestimmte Aufgaben und werden dann los in die Ausstellungsräume geschickt, um diese zu lösen.

Diese Aufgaben bestehen darin, bestimmte Kunstwerke oder Elemente zu suchen. Es ist auch hier empfehlenswert, die Aufgaben im Voraus vorzubereiten.

 

· Figurenjagdt

Findet bestimmte Figuren in der Ausstellung.z.B: Welche und wie viele Tiere kannst du in dieser Ausstellung finden? Wie viele Kinder können wir in den Bildern entdecken? , etc.

 

· Titel erraten

Mache eine Liste mit 3-4 Titeln von Exponaten, die in dieser Ausstellung vorhanden sind. Die Kids sollen die dazu passenden Kunstwerke finden.

 

· Die Originale finden.

Sucht euch zu hause einige Bilder aus und druckt eine Kopie davon aus. (Als Alternative könnt ihr aber auch gerne ein paar Postkarten im Museums Shop kaufen). Die Kinder sollen dann die Originale im Museum suchen.  Achtung! Diese Aufgabe ist nur empfehlenswert bei kleineren Ausstellungen oder Museen. Ist das Museum sehr umfangreich, lauft ihr Gefahr, dass die Suche zu lange dauert.

 

· Mein Favorit – dein Favorit.

Besucht die Ausstellung und versucht euch dabei in Haut eines anderen Familienmitglieds hineinzuversetzen. Welches Kunstwerk gefällt wohl deinem Kind am Besten? Dein Kind soll erraten, welches dir am meisten zusagt.

 

Wie ihr seht, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten eine Kunstausstellung zu besuchen und einen persönlichen Bezug zu den Kunstwerken herzustellen. Probiere es einfach mal und finde heraus, was für euch und eure Kleinen am besten funktioniert. Falls euer Museumsbesuch nicht gleich auf Anhieb ein Erfolg wird, nicht gleich aufgeben! Denn Übung macht den Meister.

 


Welche Erfahrungen hast du mit deinen Kindern im Kunstmuseum gemacht? Hast du auch noch weitere Ideen, um die Ausstellungen spannend und den Besuch kinderfreundlich zu gestalten?
Teilt eure Tipps mit anderen LeserInnen!

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Alexi Hofer

Ich bin Alexi, die Gründerin von Little Creativity Suitcase. Ich habe jahrelang als Kunstpädagogin mit Kindern und Jugendlichen in Workshops für Museen, Schulen und Kunsthallen gearbeitet. Ich habe dabei schöne Einblicke in kindliche Kreativität und schöpferische Prozesse erhalten.

Meine Erfahrungen und mein Knowhow möchte ich dir nun zur Verfügung stellen um dir bei der Planung und Gestaltung von kreativen Momenten beizutragen.

Mein Blog steht dir dafür mit praktischen Tipps und der Online Shop mit spannenden Materialien zu Verfügung. Viel Spass beim Stöbern!

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